Stadtwerke Gießen mit erfolgreichem Geschäftsjahr 2011

Auf ihrer Bilanzpressekonferenz am 31. August legten die Stadtwerke Gießen (SWG) ihr positives Ergebnis für das Geschäftsjahr 2011 vor. 6,2 Millionen Euro beträgt das Plus bei der Stadtwerke Gießen AG. Der SWG-Konzern erzielte einen Überschuss von 5,2 Millionen Euro und setzt damit den soliden Wachstumskurs der vergangenen Jahre fort. 1,5 Millionen Euro schüttet das Unternehmen an die Stadt Gießen aus.
Bei ihrer Präsentation der Geschäftszahlen erklärten die Aufsichtsratsvorsitzende Astrid Eibelshäuser und die beiden SWG-Vorstände Manfred Siekmann und Reinhard Paul, was den Ausschlag für das gute Ergebnis gab: Trotz eines deutschlandweit sinkenden Stromverbrauchs im Jahr 2011 haben die SWG ihren Absatz erhöht – von 1122 Gigawattstunden (GWh) auf 1335,3 GWh. Unter anderem mehrere neue Großabnehmer trugen zu dieser Zunahme bei. Im Segment Geschäftskunden verkauften die Stadtwerke Gießen rund 31 Prozent mehr elektrische Energie als noch ein Jahr zuvor. „So konnten wir den wetterbedingten Absatzrückgang bei Gas und Wärme mehr als ausgleichen“, freut sich SWG-Vorstand Manfred Siekmann. Aufgrund der milden Temperaturen sank der Erdgasverbrauch deutschlandweit um 25 Prozent – und damit noch deutlicher als bei den Stadtwerken Gießen, die rund 18,1 Prozent weniger lieferten als 2010.

Für Energiewende gerüstet
Nicht allein aufgrund der positiven Zahlen zogen die Stadtwerke Gießen eine positive Bilanz für das Geschäftsjahr 2011. Manfred Siekmann und Reinhard Paul sehen nach dem Unfall in Fukushima und dem beschlossenen Atomausstieg auch die Strategie der SWG bestätigt. „Wir verfolgen schon lange eine Marschroute mit dem Ziel, die dezentrale Erzeugung weiter auszubauen sowie auf Anlagen in der Region zu setzen“, unterstreicht Reinhard Paul und versichert: „Anders als viele Mitbewerber sind wir auf diesen Kurswechsel in Berlin sehr gut vorbereitet.“ Vor rund 30 Jahren ging das erste Blockheizkraftwerk (BHKW) in Betrieb, das nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) gleichzeitig Strom und Wärme erzeugt. Mittlerweile sind es mehr als 80 KWK-Anlagen, mit einer elektrischen Gesamtleistung von rund 30650 Kilowatt (kW) und einer thermischen Leistung von 63600 kW. „Unser Fernwärmenetz, in das wir auch 2011 investiert haben, bietet ideale Voraussetzungen dafür, auf KWK zu setzen – eine besonders effiziente Form der dezentralen Energieerzeugung, wenn sich die Wärme so wie in Gießen optimal nutzen lässt“, erläutert Reinhard Paul. Etwa 40 Prozent des Stroms, den die SWG an ihre Privatkunden liefern, produzieren sie mit diesen Anlagen selbst. Die restlichen 60 Prozent erzeugen TÜV-zertifizierte Wasserkraftanlagen. „Wir sind stolz, schon heute komplett auf elektrische Energie aus herkömmlichen Kraftwerken verzichten zu können. Wir haben unserem Strom daher das Label ‚Giessener Grünstrom’ verliehen. Den erhalten alle unsere Privatkunden in der Grundversorgung und in den PowerPack-Produkten automatisch und ohne zusätzlichen Aufwand“, bestätigt Manfred Siekmann. Bis 2020 wollen die SWG den Anteil des KWK-Stroms aus Gießen und der Region auf 50 Prozent steigern. „Das wirkt sich nicht nur positiv auf die Klimabilanz vor Ort aus, sondern auch auf die regionale Wertschöpfung“, betont Reinhard Paul.
Zu den wichtigsten Meilensteinen auf diesem Weg gehörte 2011 unter anderem die Inbetriebnahme der Biogasanlage Großen-Buseck. Ein BHKW erzeugt dort jährlich rund 1,5 Millionen Kilowattstunden Strom, mit dem sich der Bedarf von etwa 400 Haushalten decken lässt. Neben solchen größeren Anlagen wollen die SWG vor allem auf kleine, flexible BHKW setzen, die sich leicht steuern und bedarfsgerecht nutzen lassen.

Kooperationen für regenerative Erzeugung
„Die Energiewende hier vor Ort und den Ausbau der dezentralen Erzeugung stellen wir nicht nur auf eine Säule, die KWK“, versichert Manfred Siekmann und betont: „Die richtige Mischung macht den Erfolg aus.“ Daher werden sich die Stadtwerke Gießen künftig mit Partnern zusammenschließen, um beispielsweise in größere Windkraftprojekte zu investieren. Nach dem Bilanzstichtag für das Geschäftsjahr 2011, dem 31. Dezember, haben die SWG unter anderem Anteile an der Windpool GmbH & Co. KG erworben, die bestehende Windkraftanlagen kauft sowie neue Anlagen plant, baut und betreibt. Zudem beteiligen sich die SWG seit 2012 an der Energiegesellschaft Lumdatal GmbH, die ebenfalls regenerative Anlagen errichtet und betreibt. Im Juli dieses Jahres ist bereits der Solarpark Staufenberg ans Netz gegangen. „Wenn sich die Chance bietet, werden wir einerseits neue Kooperationen prüfen und andererseits in den schon bestehenden Partnerschaften die Zusammenarbeit weiter ausbauen“, schildert Manfred Siekmann die Strategie für die kommenden Jahre.

Energieeffizienz und Netzausbau

Bei ihrer Ausrichtung in puncto Energiewende spielen für die Stadtwerke Gießen außerdem zwei weitere Themen eine bedeutende Rolle: Energieeffizienz und Netze. „Wir brauchen gut ausgebaute und moderne Stromnetze, wenn die dezentrale Einspeisung zunimmt. Wir müssen das Netz unserer Tochtergesellschaft Mittelhessen Netz GmbH (MIT.N) schon heute für die stetig steigenden Anforderungen in den kommenden Jahrzehnten rüsten“, unterstreicht Reinhard Paul. Auch aus diesem Grund hat die MIT.N 2011 einen neuen Transformator im Umspannwerk Nord in Betrieb genommen. Damit stellt das Unternehmen gleichzeitig sicher, dass ausreichend Leistungsreserven für größere Industriekunden zur Verfügung stehen.
„Wir wollen auch in Zukunft unsere traditionellen Stärken in Sachen Netzbetrieb, Energieversorgung und Erzeugung hier in der Region einbringen. Seit einiger Zeit ist ein weiteres Aufgabenfeld hinzugekommen, in dem wir auch 2011 erfolgreich gearbeitet haben: unsere Rolle als Energiedienstleister“, erklärt Manfred Siekmann. Seit 2009 konzentrieren sich die Stadtwerke Gießen verstärkt auf dieses Geschäftsfeld und haben das Produkt „En5“ entwickelt. 2011 wurden 42 Contracting-Projekte mit Geschäftskunden und Kommunen umgesetzt, die zu einer höheren Energieeffizienz beitragen sollen – etwa durch die Modernisierung einer Heizanlage. Im Geschäftsjahr lag der Umsatz bei rund 2,1 Millionen Euro.
„Sehr gute Ergebnisse nach einer Sanierung und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Kunden ermöglichen diesen Erfolg“, erläutert Reinhard Paul. Für ihn und Manfred Siekmann gehörte daher auch der Bau des neuen Kundenzentrums am Marktplatz zu den wichtigsten Themen 2011. Im März des Geschäftsjahres begannen die Bauarbeiten, Anfang Mai 2012 eröffneten die SWG die vollkommen neu gestalteten Räumlichkeiten. Reinhard Paul unterstreicht: „Mehr Platz und ein modernes Ambiente bietet das Kundenzentrum nun. Zudem setzen wir bei den verwendeten Materialien und der Technik gezielt auf Energieeffizienz.“ „So wie es sich für einen modernen Energiedienstleister gehört, der in der Vorbildrolle ist. Wir sind stolz auf das Ergebnis“, fügt Manfred Siekmann hinzu.

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