Das gute Ergebnis gehalten

Positive Zahlen präsentierten die Stadtwerke Gießen bei ihrer Bilanzpressekonferenz am 21. Juli. Der leichte Rückgang beim Jahresergebnis lässt sich unter anderem auf den milden Winter Anfang 2014 und den geringeren Wärmebedarf zurückführen. Ein Plus erzielte das Unternehmen hingegen beim Stromabsatz. Hinzu kommen einige weitere Meilensteine im vergangenen Jahr und ersten Halbjahr 2015.

Das Geschäftsjahr 2014 schlossen die Stadtwerke Gießen (SWG) erneut mit einem positiven Ergebnis ab. Während der Bilanzpressekonferenz am 21. Juli präsentierten die Vorsitzende des Aufsichtsrats Astrid Eibelshäuser und die beiden neuen SWG-Vorstände Jens Schmidt und Matthias Funk die Zahlen. So konnten die Stadtwerke Gießen AG einen Überschuss von rund 6,8 Millionen Euro erwirtschaften. Das entspricht lediglich einem leichten Rückgang von etwas weniger als 0,5 Millionen Euro. Ausschlaggebend dafür: Wegen der vergleichsweise milden Temperaturen zwischen Januar und März 2014 fielen der Erdgas- und der Wärmeabsatz spürbar geringer aus als im Jahr zuvor. Die Kundenzahlen stiegen hingegen in allen Sparten. Und auch in puncto Stromabsatz legten die SWG nochmals zu – auf über 1652 Gigawattstunden.
Über dieses erneut gute Ergebnis freuen sich nicht nur die Verantwortlichen bei den SWG, sondern unter anderem auch die Stadt Gießen. Sie erhält als Anteilseignerin eine Ausschüttung von 2,5 Millionen Euro.

Stabiles Unternehmen

Bei ihrer Vorstellung der Bilanz zeigten sich die beiden neuen SWG-Vorstände Jens Schmidt und Matthias Funk sehr zufrieden. „Ich habe ein gut aufgestelltes Unternehmen vorgefunden. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache“, sagte Jens Schmidt.  Der neue kaufmännische Vorstand übernahm im November 2014 die Nachfolge von Manfred Siekmann, der nach 24 Jahren in der Unternehmensspitze in den Ruhestand ging. Er leitete die Geschicke der SWG gemeinsam mit dem technischen Vorstand Reinhard Paul und baute zusammen mit ihm das stabile Fundament, auf dem das Unternehmen heute steht. Im Mai 2015 verabschiedete sich auch Reinhard Paul in den Ruhestand. Matthias Funk – zuvor Prokurist und Leiter der Fernwärme bei den SWG – löste ihn in dieser Funktion ab. Bei der Bilanzpressekonferenz wies er darauf hin: „Mit unserer Ausrichtung befinden wir uns offenkundig auf Kurs.“ Beide Vorstände sind sich daher einig, die langfristige Strategie „SWG 2020“ fortzuführen – unter anderem eine nachhaltige Energieerzeugung und den Wärmenetzausbau weiter voranzutreiben.

Einsatz für Gießen und die Region

2014 zeigten die Stadtwerke Gießen wieder, welch wichtige Rolle sie abseits des Themas Energie in Mittelhessen übernehmen – unter anderem als Premiumpartner der Landesgartenschau. Zahlreiche Höhepunkte fanden auf der SWG-Bühne statt. Dazu gehörten beispielsweise die Konzerte der „Big Band der Bundeswehr“ und der „Drei Stimmen“. „Auch künftig werden sich die Stadtwerke Gießen bei Veranstaltungen wie der Landesgartenschau oder dem Landesturnfest engagieren. Gleiches gilt natürlich für unseren Einsatz bei der Tour der Hoffnung oder etablierten Aktionen wie dem Wettbewerb Feuerwehr der Zukunft“, versicherte Jens Schmidt.

Energiedienstleistungen weiter erfolgreich

Beim Blick in die Zukunft verriet Matthias Funk, dass das Thema Energieeffizienz eine immer größere Rolle spielen wird. Deshalb wollen die SWG als gutes Beispiel vorangehen und haben Anfang 2015 das Zertifikat für ein Energiemanagementsystem nach DIN EN ISO 50001 erhalten. „Ganz konkret planen wir, unseren Energieverbrauch jedes Jahr um 1,3 Prozent zu senken“, erklärte Matthias Funk.
Ein ehrgeiziges Ziel, allerdings verfügen die SWG über das notwendige Know-how. Und von diesem profitieren auch immer mehr Privathaushalte und Firmen – in der Region sowie darüber hinaus.
2014 verzeichneten die Stadtwerke Gießen erneut Erfolge im noch relativ jungen Geschäftsfeld Energiedienstleistungen unter dem Namen „En5“. Dazu gehören unter anderem die moderne Wärmeversorgung für 45 Wohneinheiten in Langen oder die Wärmeversorgung für 80 Wohneinheiten in Roßdorf bei Darmstadt. Insgesamt nutzten 99 Geschäftskunden – vor allem Altenpflegeheime und Altenwohnheime, Krankenhäuser und Wohnungsbaugesellschaften – die Erfahrung der Energieexperten und schlossen Wärme-Contractings ab. Der Wärmeabsatz stieg von 46 auf 49 Millionen Kilowattstunden (kWh). „Besonders freuen wir uns darüber, dass unsere Dienstleistung jetzt auch bundesweit Anklang findet“, erklärte Jens Schmidt. Tatsächlich kooperieren die Stadtwerke Gießen inzwischen mit der Stiftung Viamedica und der Firma Bosch. Ziel der Zusammenarbeit ist es, in ganz Deutschland weitere Kunden für ein Wärme-Contracting mit den SWG zu gewinnen.
Im Privatkundensegment stießen die Energiedienstleistungen der SWG ebenso auf großes Interesse. „Ob hydraulischer Abgleich, Energieausweis oder Thermografie – unsere Kunden nutzen das Fachwissen unserer Mitarbeiter immer öfter“, freute sich Matthias Funk. „Die Verwandlung vom Energielieferanten zum Energiedienstleister ist also schon erfreulich weit vorangeschritten.“ Gleichzeitig verzeichnete das Unternehmen auch beim Energieverkauf einige große Vertriebserfolge in der Strom- und Erdgassparte. Zu den neuen Kunden zählen zum Beispiel die Fielmann AG, die Remondis SE & Co. KG, der Werra-Meißner-Kreis oder die AOK Hessen.

Immer mehr Grünstrom – auch im Tank

Am Ziel, bis 2020 rund 50 Prozent des „Gießener Grünstroms“ in eigenen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen zu produzieren, hat sich bei den SWG nichts geändert. Diese Marke ist ambitioniert, aber erreichbar. Bereits heute produzieren die Stadtwerke Gießen etwas mehr als 40 Prozent des Gießener Grünstroms selbst. Da kürzlich die Baugenehmigung für die TREA 2 einging, dürfte dieser Wert schon bald steigen. Der Spatenstich steht im August 2015 an. 2017 soll die Anlage, die behandelte Abfälle verbrennen wird, in Betrieb gehen. Auf Basis der Kraft-Wärme-Kopplung wird sie rund 75 Millionen kWh Wärme und etwa 40,6 Millionen kWh Strom erzeugen. Gegenüber der getrennten Strom- und Wärmeproduktion spart die TREA 2 pro Jahr fast 28.000 Tonnen CO2 ein. Darüber hinaus wird die TREA 2 mit dem Tag ihrer Inbetriebnahme den Primärenergiefaktor für Fernwärme in Gießen auf unter 0,20 senken. Für das Jahr 2014 erreichten die SWG bereits den Rekordwert von 0,36. Der Primärenergiefaktor beschreibt das Verhältnis von eingesetzten fossilen Energieträgern zur erzeugten Wärmeenergie. 0,36 bedeutet, dass die SWG für jede Kilowattstunde Wärme nur 0,36 Kilowattstunden Erdgas einsetzen müssen. Ein Grund dafür, dass der Wert 2014 zum sechsten Mal in Folge sank: Die SWG haben zahlreiche Blockheizkraftwerke im Stadtgebiet auf den Betrieb mit Biogas umgestellt.
Strom aus diesen Anlagen können Fahrer von Elektroautos seit dem vergangenen Jahr auf dem Besucherparkplatz der SWG in der Lahnstraße und vor dem Rathaus in Pohlheim-Watzenborn tanken. Dort hat das Unternehmen Ladesäulen installiert. Jens Schmidt spricht in diesem Zusammenhang von einem weiteren Baustein in Sachen „nachhaltige Strategie“.

Der Blick nach vorn

Bei ihrer Präsentation warfen die beiden SWG-Vorstände auch einen Blick in die Zukunft und sprachen über bevorstehende Herausforderungen. Darunter die voranschreitende Digitalisierung in allen Lebensbereichen. Jens Schmidt erläuterte: „Wir wollen unser bisheriges Geschäftsmodell klug flankieren und mit innovativen Entwicklungen ergänzen. Das erfordert auch, verstärkt mit Experten aus anderen Bereichen zu kooperieren. Eine Idee lautet daher, junge kreative Köpfe und Start-ups zu unterstützen und gemeinsam mit ihnen an neuen Produkten zu arbeiten.“
Davon könnten möglicherweise auch Kunden im Bereich Nahverkehr profitieren. Auf diesem Gebiet wollen die SWG in den nächsten Jahren weitere Dienstleistungsangebote auf den Weg bringen. „Unser Ziel: Gießen und die Region in Sachen Mobilität voranzubringen – Schritt für Schritt“, schilderte Matthias Funk.
Er verwies anschließend auf eine der größten Hürden, die es in den kommenden Jahren zu überwinden gilt – die Umstellung vom sogenannten L- auf H-Gas. Hintergrund: In Deutschland und den Niederlanden reduziert sich die Erdgasförderung stetig. Wegfallende Mengen des L-Gases müssen durch höherwertiges H-Gas aus dem Nahen Osten oder Russland ersetzt werden. Das erfordert an vielen Anlagen Anpassungen – ein gewaltiges Infrastrukturprojekt für die deutsche Gaswirtschaft. Im Netzgebiet der SWG-Tochtergesellschaft MIT.N sind etwa 35.000 Gasgeräte betroffen. 2019 und 2020 steht der Umbau an. Die beiden SWG-Vorstände weisen darauf hin: „Es bedeutet keineswegs, dass jeder ältere Heizkessel ausgetauscht werden muss. In den meisten Fällen wird sich der Umbau wohl auf kleinere Arbeiten beschränken.“

EnergieKonzern

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